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Stiloffenes Karate (SOK)

 

Ansprechpartnerin

Wiedensee.Bianca kl Bianca Wiedensee
Stilrichtungsreferentin Stiloffenes Karate (SOK)

E-Mail: SOK(at)karate-sachsen.de
Das (at) ist durch @ zu ersetzen.

 

 

Aufgabengebiet der Stilrichtungsreferentin

Die Stilrichtungsreferentin vertritt im Erweiterten Präsidium die Belange ihrer Stilrichtung, sie organisiert unter anderem die Stilrichtungsversammlung und leitet diese. Des Weiteren plant sie den Haushalt in Absprache mit den Vereinen der Stilrichtung. Zu den Hauptaufgaben zählen auch die Prüfung von Stilrichtungsmaßnahmen und deren Abrechnung gegenüber der Geschäftsstelle des SKB.

 

 

Aktuelle Mitteilungen

Am 30. März 2019 fand die letzte Stilrichtungsversammlung statt. Themen waren unter anderem die Haushaltsregulierung für 2019 und die Budgetplanung für 2020. Vorschläge können gern an die Stilrichtungsreferentin herangetragen werden. Die konkrete Planung für 2020 erfolgt im Rahmen der 10. Stilrichtungsversammlung am 18.04.2020. Eine Einladung wird rechtzeitig auf der SKB-Website veröffentlicht.

 

 

 

Informationen und Formulare

acroreadLeitfaden zur Beantragung von Fördermitteln des Stilrichtungsbudgets

 

 

Stiloffenes Karate - Was ist das?

Im Jahr 2002 wurde im Deutschen Karateverband eine „neue Stilrichtung" geschaffen, die zunächst als „Stilrichtungsfrei", von den energischen Gegnern gar als „Stillos" gezeichnet wurde und heute unter der Bezeichnung „Stiloffenes Karate" ein sehr lebhaftes und äußerst interessantes Dasein feiert. Dabei muss klar erkannt werden, dass es sich eigentlich um gar keinen „Stil" im engeren Sinn handelt, sondern um eine „Gemeinschaft" unterschiedlicher Stilrichtungen. Endlich hatten Karateka den Mut gefunden, diese zum Teil unheiligen völlig festgefahrenen Strukturen, die vor allem von älteren Karateka sehr sorgsam und sogar eifersüchtig gepflegt wurden und die in ihrer Entwicklung nicht mehr so recht vorankamen, aufzubrechen.

Die etablierten Stile (oder Systeme) schossen bis dahin (allerdings auch heute noch) wie Pilze aus dem Boden, weil viele Karateka im eigenen Stil keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr sahen. Die Prüfungsprogramme waren abschreckend und willkürlich, ganz nach den Vorlieben einzelner Meister, gestaltet und hatten mit modernen Anliegen im Karate überhaupt nichts mehr zu tun. Überarbeitet i.S.v. an moderne Gegebenheiten angepasstes Karate wurde nicht, sondern nur noch aufgebläht und überladen und Verantwortliche dafür blähten sich auch dabei gleich noch mit auf und waren letztlich selbst überfordert, weil sie selbst sehr wohl ganz natürliche Vorgänge der Entwicklung ignorierten. Somit hätte für zahlreiche dieser selbst ernannten Hüter der Karate-Tradition" der Begriff der „Stillosigkeit" eher zugetroffen.

Nun aber fanden sich gute und weitersichtige Köpfe, wie ich hörte auch von denen, die erst sehr dagegen waren, und riefen das Stiloffene Karate aus.
Eines der Grundanliegen war sicher, den Trend zu immer mehr neuen Stilen aufzuhalten, denn erstmals wurde es möglich, Trainierende der unterschiedlichsten Stile in dieser einen Gruppierung „Stiloffenes Karateka" zu vereinen. Ein weiteres, im Laufe der Zeit wohl sehr viel wichtigeres Anliegen aber war, Karateka der verschiedensten Stile oder auch Schulen zusammenzubringen, ohne dass diese „ihren" Stil aufgeben sollten. Im Grunde genommen ist diese strikte Abgrenzung von anderen Prinzipien und Methoden nicht erfolgt, dafür sind die entstandenen und lange existierenden Strukturen zu festgefahren und den nachfolgenden Vertretern und Übenden der Stile entsprechend weitervermittelt worden, ohne diesen die Möglichkeit zu geben, selbst neue Erkenntnisse und Erfahrungen zu sammeln. Es wurden falsch verstandene asiatische traditionelle Ansichten unkritisch übernommen, was selbst von japanischen Vertretern des Karate oft genug belächelt wurde.

Dennoch eröffnete das Stiloffene Karate natürlich viele neue Möglichkeiten für diejenigen, die nicht mehr nur im Trüben fischen, sondern sich frei bewegen wollten, um ihren Weg zu beschreiten. Letztendlich sieht genau dieser Weg für jeden anders aus, denn die Ansichten ändern sich im Verlaufe des Lebens. Zahlreiche Karateka verbinden mit dem Karate oder eben den asiatischen Kampfkünsten eine, ihre Lebensweise und genau das wird durch das Stiloffene Karate unterstützt. Wichtig dabei ist, dass es gleichgültig ist, was man sich vom Karate verspricht; ob die Absicherung seiner Einnahmen, Erlangung von Profil oder eben die ganz persönlichen, nur für sich selbst erlangten Erkenntnisse, die dann auch sehr streng im stillen Kämmerlein gehütet werden, alles ist legitim und kann natürlich besonders gut in einer solchen Stiloffenen Umgebung gefestigt werden. Wer sich aber einer solchen Gemeinschaft verbunden fühlt, sollte dann auch konsequent sein und anderen nicht verweigern wollen, was sie für sich selbst einfordern: Nicht behindert zu werden auf seinem Weg!

Die neue Offenheit im Stiloffenen Karate kommt meiner Ansicht nach sehr gut im dazugehörigen Prüfungsprogramm zum Ausdruck. Dieses ist zumindest im Ansatz und seinen Grundprinzipien her gera-dezu revolutionär, für unsere Verhältnisse jedenfalls! Grundsätzlich sind die Trainer und Prüfer frei, sie haben als Kernstück die Kata, können Teile dieser Kata sozusagen einzeln nochmals zur Demonstration fordern und gehen dann zu den Wahlthemen über. Im unteren Altersbreich bestimmen zwar die Trainer über ein Thema, aber den jüngsten Karateka ist es wohl kaum möglich, in Eigenverantwortung zu entscheiden, was für sie am besten geeignet ist. Dabei bezieht sich die eben gemachte Aussage auch wieder nur auf die Wahlteile „Kata in Anwendung", „Sportliches Kumite" und „Selbstverteidigung" als Teilgebiete. Kindern wird ohnehin vordergründig das Sportkarate nahegebracht, deren Anliegen sind natürlicherweise keine tiefen Einsichten in „Bewegungs- oder Verteidigungsphilosophie". Auf dem Teilgebiet „Sportkarate" aber sind sie schon ziemlich frei, können zeigen, was ihnen am besten gefällt (was normalerweise dann auch am besten beherrscht wird). Die Älteren werden dagegen erfahrungsgemäß eher die Selbstverteidigung bevorzugen oder sogar die Kata in Anwendung, die aber ja sowieso Selbstverteidigung darstellt, aber in sogenannten „Kampf-Systemen". Diese „Kampfsysteme", angeblich von alten Meistern geschaffen, haben also auch gewisse Vorgaben, die dann allerdings sehr gut verarbeitet und konstruktiv weiterentwickelt werden können. Das erfordert aber mehr als nur den Willen, es zu beherrschen!

Insgesamt kommt das Stiloffene Karate also dem Gedanken, Karate ist Karate, schon näher, zumindest, was die Grundstruktur angeht. Viele sind bereit, sich auch umzusehen und verlassen auch mal zum Gewinnen neuer Erkenntnisse ihre vier Wände und lassen ihrerseits die eigene Tür offen für andere!

Schließlich möchte ich darauf verweisen, dass sich auch in den etablierten Stilen viele Karateka sicher immer mehr Wissen und Erkenntnisse auf dem weiten Feld der Kampfkünste holen, es soll hier also niemand durch Behauptungen, die auf den Einzelnen nicht zutreffen, herabgewürdigt werden. Vielleicht finden diese Karateka ja auch irgendwann, dass sie dem „Stiloffenen" Karate dadurch viel näher sind, als sie annehmen, denn wie gesagt: Eigentlich gibt es ein „Stiloffenes" Karate gar nicht, es verbindet nur Gemeinsamkeiten verschiedener Stile und Schulen und Systeme oder sonst was miteinander, die Grundprinzipien, die den Unterschied auszumachen scheinen, bleiben sicher unangetastet!


Gerd Hahnemann