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15.08.2019 | Sächsische Karateka auf Erkundung in Fernost

2019.08.15 Japanreise 02Im Zeitraum vom 17.07. - 31.07.2019 unternahmen sieben Karateka des German JKF Goju-kai/Takuji Kenbunkan die weite Reise nach Japan. 

 

 

 

Die Reise war untergliedert in drei Etappen: 1. Okinawa/ Naha – Teilnahme als Gäste am Okinawa-Goju-Kai-Karate (OGKK-) Lehrgang und Sayonara-Party, sowie anschließendes Training im Dojo von Sensei Teruya; 2. Nagasaki/ Sasebo – Teilnahme am JKF Goju-Kai Lehrgang, Teilnahme am JKF-Goju Kai Tunier und Sayonara-Party; 3. Oita – Treffen mit Shioko (Frau von Tetsuo Tabata), Training im Dojo bei Sensei Kiyohara.

Michael Päßler, Alexander Buze, Philipp Claußner und Caritas Claus begannen schon am 16.07. die Reise mit dem ersten Etappenziel: Geisling, Geschäftsstelle des GJKF Goju-Kai Federation e.V. und gleichzeitig zu Hause von Stanko Kumer. Der erste gemeinsame Abend wurde zur Einstimmung auf die Reise genutzt, u. a. auch mit erster Kontaktaufnahme Einzelner mit einer japanischen Toilettenvorrichtung.
Außer den fünf genannten begleitete uns noch Gerd Neuland (ältester Schüler von Stanko) sowie ab Sasebo Markus Kumer.

2019.08.15 Japanreise 02

Nach dreizehn Stunden Gesamtflugzeit über Osaka bis nach Okinawa/Naha und einem Stück Monorailfahrt war das Hotel, indem wir die ersten sechs Nächte verbrachten, erreicht. Den ersten Tag nutzten wir für Erkundungen der Umgebung, sowie die Registrierung für den Lehrgang und die Begutachtung des Kaikan-Dojos, wo der OGKK-Lehrgang an den nächsten zwei Tagen stattfand.

Die Zeit in Okinawa/Naha umfasste fast die Hälfte unseres Aufenthaltes in Japan. Dafür war die Zeit karatetechnisch nicht besonders effizient. An den 1 1/2 Lehrgangstagen sind wir viele Katas gelaufen, einzelne Sensei (z.B. Herr Muramatsu sowie Herr Masuda erklärten und zeigten Bunkai zu den Katas), ansonsten gab es viele Wiederholungen. Des Weiteren stellten wir fest, dass das OGKK einen starken Wachstum, vor allem in Richtung Ausland erfährt und dennoch recht unorganisiert und chaotisch erscheint, was bei der Zeitplanung des Lehrgangs und der Wettkampfvorbereitung am eigentlich zweiten Lehrgangstag auffiel. Sowohl der Lehrgang als auch die Sayonara-Party waren für die Qualität recht preisintensiv.

Das zusätzliche Training im Dojo von OGKK Präsidenten Herrb Teruya (10. Dan) kam nur aufgrund von Stankos Nachfragen bei ihm persönlich zu Stande. Ursprünglich war etwas anderes geplant und mit Frau Fumi, unserer japanischen Dolmetscherin in Deutschland, abgesprochen. Sensei Takara wollte uns ein zusätzliches Training an zwei Tagen im Dojo von Higaonna organisieren. Eine Lektion über Japaner: manchmal ist ein Nein eines Japaners mehr wert als ein ja, weil es ehrlich ist.

Das Training bei Sensei Seisei Hirata (8. Dan) im Dojo von Sensei Koei Teruya war ansprechend und anstrengend, was vor allem auch an dem nicht klimatisierten Raum lag. Letztendlich wurde Altbekanntes trainiert. Ein Schwerpunkt des Trainings lag auf der gleichmäßigen Atmung in der Kata Sanchin. Besonders gut hat vielen gefallen, dass wir in der Pause Trainingsgeräte, wie das Makiwara und Chishi ausprobieren konnten.

Spuren haben wir in Naha zumindest in der Dojobar hinterlassen, indem wir uns hier, wie viele andere Karateka vor uns, verewigt haben. Auch der mehrmalige Besuch der Dojobar wird uns in Erinnerung bleiben. Weitere kleine Highlights ergaben sich noch durch eigene Erkundigungen der Umgebung und den Strandbesuch am letzten Tag in Okinawa.

2019.08.15 Japanreise 01

In Nagasaki/Sasebo angekommen freuten wir uns besonders über drei Dinge: Markus war nun unser Begleiter für die weitere Reise, unsere Hotelzimmer hatten nun ein wenig mehr Komfort (z.B. Fenster, weniger hellhörig) und wir waren für den Weg zum Training auf keine Taxis mehr angewiesen. Für die Meisterschaft und die anstehende Gürtelprüfung war der Weg sogar noch kürzer (direkt gegenüber vom Hotel). Am ersten Abend in Sasebo feierten wir erstmal in den Geburtstag von Markus rein und zukünftige Polizisten konnten ihre Observationskünste und Beobachtungsgabe im Eingangsbereich des Hotels schulen.

Der JKF Goju-Kai Lehrgang überraschte vor allem durch die Wahl der Trainer. Bis auf zwei Stunden, Aufteilung in den einzelnen Katas, wurde das Training fast ausschließlich von Sensei Norihiko Masuda (8. Dan) mit Unterstützung von Sensei Muramatsu (9. Dan) gehalten, die beide eigentlich im OGKK verankert sind. Die Unterschiede in den Katas ließen sie sich zumindest nicht anmerken. Das Training gestaltete Sensei Masuda grundlegend sehr ähnlich wie beim Lehrgang in Naha, jedoch blitzten am zweiten Tag, als die höheren Danträger parallel zur Gürtelprüfung anstanden, ein paar inspirierende Trainingsanregungen auf. Sensei Masuda überzeugte durch große Offenheit und Begeisterung im Karatetraining.

Gerd Neuland stellte sich an diesem zweiten Lehrgangstag der Gürtelprüfung in Sasebo zum 6. Dan. Da die Danprüfungen der höheren Dangrade leider zum Großteil politische Entscheidungen sind, half die beste Vorbereitung und Karateleistung an dieser Stelle nichts. Wer von uns bis zu diesem Zeitpunkt noch an das Gute und faire in den Japanern glaubte, wurde spätestens hier enttäuscht. Ein Vorzeichen war schon die Bemerkung in Gerds Richtung im Vorfeld, dass er die letzten zwe Jahre nicht beim Lehrgang anwesend war. 

Ein Highlight in Sasebo war das gastfreundliche japanische Restaurant, indem sich der Besitzer jedes Mal, wenn wir zu Besuch kamen so sehr freute, dass wir neben den bestellten Getränken immer noch verschiedenes japanisches Essen als „Service“ mit gereicht bekamen. Das tröstete uns auch ein wenig über die schlechte Sayonara-Party in Sasebo hinweg.

Vom Turnier in Sasebo gibt‘s nicht so viel Nennenswertes zu berichten, was auch daran lag, dass die fünf Starter aus Deutschland dieses Jahr überwiegend nur zum Spaß antraten, ohne den Wettkampf im Training angemessen vorbereitet zu haben. Die größten Chancen hatte Gerd und er hatte das Finale auch nur sehr knapp verfehlt. Da allerdings das Finale am nächsten Tag stattfand und an dem Tag unsere Abreise auch schon vormittags geplant war, wäre es im Falle, dass jemand von uns ins Finale gekommen wäre, durchaus eine organisatorische Herausforderung geworden.

In Oita erwartete uns direkt am Abend der Anreise das Abendessen mit Frau Shioko, der Frau von Tetsuo Tabata. Das Essen war ausgelassen und die sprachlichen Barrieren überwand der Google-Übersetzer. Obwohl dieser Teil unserer Reise einer der kürzesten war, empfand ich diese Begegnung als sehr wertvoll und herzlich. Obwohl Stanko und Shioko sich 29 Jahre lang nicht gesehen hatten, bekam ich den Eindruck, hier treffen sich zwei alte Freunde wieder und es war sehr schön dies mitzuerleben.

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Am nächsten Tag erwartete uns um 14.30 Uhr Norio Yoshinaga (6. Dan), ein Schüler von Sensei Kiyohara, um uns zum Dojo zu begleiten. Er hielt auch das Training für uns. Im Anschluss konnten wir dem Kinder- und Jugendtraining noch zuschauen, was recht interessant war, aber jeweils auch die Unterschiede der japanischen Trainingsweise und der Unseren verdeutlichte. Das Trainingsprogramm schien ziemlich fest und wurde nacheinander abgespult.
Kraft und Geschwindigkeit war bei den japanischen Schülern vorhanden, die saubere Ausführung der Techniken und das Verständnis dazu nicht immer. 
Der Tag klang aus mit einem gemeinsamen Abendessen, welches Sensei Kiyohara organisiert hatte. Am nächsten Tag begleitete er und ein weiterer Schüler uns bei der Besichtigung der berühmten heißen Quellen von Beppu.

Mein persönliches Fazit:
Die Japanreise war spannend in vielerlei Hinsicht. Ich hatte mir von der Reise Einblicke in das japanischen JKF Goju-Kai Karate erhofft, sowie auch eine bessere Einschätzung und Einordnung bestimmter Vertreter dieses Karate.
Einige Einblicke habe ich bekommen. Zum Großteil war die Erfahrung karatetechnisch aber sehr ernüchternd, dadurch ist mir die Bestätigung der guten Qualität unseres Karate in Deutschland, die von Stanko Kumer seit über 36 Jahren gelehrt wird, um einiges präsenter.

Ein riesengroßes und dickes Dankeschön geht an dieser Stelle an Frau Fumi, die mit ihrer Übersetzungsarbeit die Begegnungen mit Frau Shioko und das Zusammentreffen mit Sensei Kiyohara ermöglicht hat, die uns außerdem die eine oder andere Enttäuschung im menschlichen Kontakt mit den Japanern, was Versprechungen im Vorfeld oder Nachgang anging, offen legen konnte, die uns hoteltechnisch immer gut untergebracht hat und auch unseren Wünschen nach Einzelzimmern mit viel Hartnäckigkeit und Ausdauer entsprach.
Das zweite große und dicke Dankeschön geht an unseren Sensei Stanko Kumer, der uns immer wieder an seinen Erfahrungen teilhaben lassen hat und der uns in die Kommunikation von Frau Fumi einweihte und uns überhaupt diese etwas andere Bildungsreise über JKF Goju-Kai Karate, japanische Kultur und im Besonderen die Mentalität japanischer Karatemeister ermöglicht hat. Arigato Gozaimasu!

 

Text: Caritas Claus, Fotos: privat